850.000 Minijobs seit Corona-Krise gestrichen

850 000 Minijobs gegenüber dem Vorjahr gestrichen – Beschäftige im Hauptjob haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

Minijobs in Corona-Krise drastisch gesunken

850 000 oder zwölf Prozent weniger Minijobs gab es im Juni 2020 gegenüber dem Vorjahr. Demgegenüber sank die Zahl bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im selben Zeitraum um nur 0,2 Prozent. Denn geringfügig Beschäftige haben gegenüber sozialversicherungspflichtig Beschäftigten keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Zudem gibt es für Minijobs oft nur befristete Arbeitsverträge.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat eine Studie zur Entwicklung der Minijobs vorgestellt. Seit unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder 2003 der Arbeitsmarkt dereguliert wurde, ist der Minijobsektor in Deutschland 2003 um 43 Prozent gewachsen. Im Jahr 2019 übten rund 7,6 Millionen – ca. rund 19 Prozent aller Beschäftigten – einen Minijob aus.

Immer mehr Menschen übten einen Minijob als Erstjob aus – rund 3 Millionen im Zweitjob.

„Zählt man sämtliche in einem Kalenderjahr ausgeübten Minijobs, die nicht selten nur auf wenige Wochen oder Monate angelegt sind, liegt die Zahl sogar noch höher – im Jahr 2018 beispielsweise bei etwa 13 Millionen.“

Minijobs

© DIW Berlin

Die Autoren des DIW sehen die aktuelle Ursache für diesen überproportionalen Stellenabbau in den Einschränkungen infolge der „Corona-Pandemie“. Gerade Branchen mit einem hohen Anteil an geringfügig Beschäftigten wie beispielsweise das Gastgewerbe oder die Veranstaltungsorganisation verloren Arbeitsplätze.

„Von denjenigen, die im Jahr 2019 ausschließlich einen Minijob hatten, ist im Frühjahr 2020 fast die Hälfte keiner bezahlten Tätigkeit mehr nachgegangen.“

Markus Grabka, Mitglied im Direktorium des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am DIW Berlin erklärte zu dieser Entwicklung:

„MinijobberInnen verlieren in einer Wirtschaftskrise vergleichsweise schnell ihre Beschäftigung, deshalb trifft sie die derzeitige Situation besonders hart – sie gehören auf jeden Fall zu den VerliererInnen der coronabedingten Rezession“.

„Doch auch unabhängig davon ist eine Reform der Minijobs überfällig. Der Bereich der geringfügigen Beschäftigung ist in den vergangenen Jahren sehr groß geworden, und gleichzeitig hat sich oftmals die Hoffnung, Minijobs könnten eine Brücke in normale sozialversicherungspflichtige Jobs sein, nicht erfüllt“.

Frauen sind Hauptopfer

Vor allem für Frauen sind Minijobs oft die Haupterwerbsquelle, denn sie stellen zwei Drittel der entsprechend Beschäftigten. Besonders in den westlichen Bundesländern sind sie überdurchschnittlich oft jünger als 25 Jahre oder älter als 65 Jahre.

Minijobs wurden von Politikern oft als Sprungbrett in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angepriesen. Doch gerade dieser Werbeslogan habe sich oftmals nicht erfüllt. Drohende Altersarmut bleibt bei vielen MinijobberInnen.

Absenkung der Minijobschwelle – ein möglicher Reformschritt?

Die Autoren orientieren auf folgende Lösung:

„Nötig sind Anreize, mehr Minijobs in sozialversicherungspflichtige und somit besser abgesicherte Jobs umzuwandeln“.

Allerdings empfehlen sie dafür sogar, die Minijobschwelle von derzeit 450 auf 300 Euro pro Monat zu senken.

Außerdem sollte die Sozialabgabenpflicht für Minijobs, die als Nebentätigkeit ausgeübt werden, wieder eingeführt werden

Ratgeber:

  • Was geschieht bei mehreren geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen?
  • Welche steuerlichen Vorteile bieten haushaltsnahe Minijobs?
  • Wie optimieren Sie die soziale Absicherung?
  • Wie wird dem Arbeitgeber die Lohnfortzahlung erstattet?
  • Welche Aufklärungspflichten müssen Arbeitgeber erfüllen?
  • Wie können Arbeitgeber die Lohnnebenkosten senken?
  • Wie rechnen Sie bei „Midijobs?

Wer sollte von diesem Beitrag erfahren?
Dagmar Meinz
 

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