Durchlaucht vom Magen

Die Glieder und der Magen

Dies Märchen sollte zum Beginn
etwas vom Königstume sagen,
denn wohl ist in gewissem Sinn
sein Ebenbild „Durchlaucht vom Magen“:
fehlt dem etwas, dann fühlt’s sogleich der ganze Leib.
Den Gliedern macht‘ es einst nicht länger Zeitvertreib,
für ihn zu schaffen; als Baron wollt‘ jedes leben.
Sein eigen Beispiel ist’s, auf das man sich beruft:
„Ohn‘ uns“, so sprachen sie, „lebt er wohl nur von Luft!
Wir sollen Schweiß und Müh‘, Packeseln gleich, hingeben.
Für wen? Für ihn allein! Wir werden immer satt,
wir sorgen nur dafür, daß er zu essen hat.
Drum laßt uns streiken, er treibt dies Geschäft ohn‘ Ende
ja selbst!“ Gesagt getan: nichts fassen mehr die Hände,
schlaff hängt der Arm, der Fuß will nicht mehr gehen;
jedes sagt ihm, er möcht‘ nach andern sich umsehen.
Das war ein Irrtum, den sie reuevoll empfanden:
bald fiel das arme Volk in Ohnmacht und ward schwach,
im Herzen bildet kein frisches Blut sich nach;
es litt ein jedes Glied, und alle Kräfte schwanden.
Nicht lang, und die Rebellen fanden,
daß der, den sie für faul und müßig hielten, grad
fürs allgemeine Wohl mehr als sie alle tat.“

La Fontaine

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