Unternehmen – Maschine mit Rädchen

Ein Rädchen im Getriebe

Das Unternehmen als Fließband

Kennen Sie Unternehmen oder Vereine, die etwa so strukturiert funktionieren?

 

Alles funktioniert wie am Schnürchen

Einmal in Gang gesetzt arbeiten Abteilung für Abteilung, Team für Team, Mitarbeiter für Mitarbeiter die Aufträge ab. Ungeachtet ihrer unterschiedlichen Größe und Leistungsfähigkeit treibt ein Rädchen das nächste. Der „Sachzwang diktiert alternativlos“, was zu machen ist – ob im Unternehmen, Verein oder …

„Alles läuft wie in einem Uhrwerk“ – kennen Sie diese Formulierung? Klingt sie nicht gut?

Uhrwerk – Inbegriff der maschinellen Zuverlässigkeit

Zuverlässig wie ein Uhrwerk - ohne jeden Spielraum

Bereits im 18. Jh. hatten die französichen Philosophen R. Descartes und J. O. de La Mettrie versucht zu erklären, dass Tiere und Menschen wie eine Maschine funktionieren; eine Erklärung, die auch bald auf die Unternehmen und die Gesellschaft übertragen wurde. Mit der Industrialisierung nahm in der Tat der Mensch im Unternehmen immer mehr die Funktion eines Rädchens in einer Maschine an.

Wie in einem Uhrwerk kleine und große Rädchen, so greifen im Betrieb die Mitarbeiter und Abteilungen ineinander – das ganze Unternehmen läuft reibungslos wie eine exakt gebaute Maschine, zum Beispiel ein Uhrwerk – solange kein Sand im Getriebe ist. Der Antrieb geht allein von der „Unruh“, der Geschäftsführung, vom Vorstand aus.

Wenn alles gut läuft, können nahezu mühelos noch ein paar „Teile“ eingebaut werden wie bei einer astronomischen Uhr. Im umgekehrten Fall werden sie ebenso einfach wieder wegrationalisiert. Es sind ja nur Rädchen im Unternehmen – die paar Abteilungen, die paar Mitarbeiter …

Mitarbeiter im Unternehmen sind austauschbar wie Rädchen

(Quelle: Infratest/WSI-Erhebung über beendete Arbeitsverhältnisse 2001)

Etwa 10 bis 13 % aller Beschäftigungsverhältnisse werden jährlich neu geschlossen. Aus der Sicht Ihres Unternehmens heißt das: In 7 – 10 Jahren wechselt durchschnittlich die gesamte Belegschaft; davon 32 % durch Entlassung und weitere 20 %, weil die Beschäftigung von vornherein befristet war. Zugleich ist Ihr Unternehmen für 39 % der Mitarbeiter nicht so attraktiv, um länger zu bleiben.

Was denken Sie, für wie viele neue Mitarbeiter Sie das beste Unternehmen weit und breit sind – und nicht nur ein Strohhalm?

Was denke Sie, wie viele Mitarbeiter überzeugt sind, dass es sich lohnt, zusätzlich Kraft in Ihr Unternehmen zu investieren?

Und was denken Sie, wie viele der ausgeschiedenen Mitarbeiter sprechen positiv von Ihrem Unternehmen? Wie viele Ihrer ehemaligen Mitarbeiter reden vorteilhaft über Ihr Unternehmen – mit Ihren Kunden, Lieferanten und sonstigen Geschäftspartnern?

 

Wie (ver-)käuflich sind die Mitarbeiter Ihres Unternehmens?

Und wie geht es Ihren Mitarbeitern?

Nicht zuletzt kommt hinzu, dass andere – ob Sie wollen oder nicht – Ihren Mitarbeitern zusätzlich Lebens-Energie rauben. Indem „Experten“, Medien und viele andere tagtäglich Ihren Mitarbeitern einreden, dass sie beliebig austauschbare Rädchen wären, rauben sie ihnen Energie, die Sie viel besser für Ihr Unternehmen gebrauchen könnten.

Versetzen Sie sich nur einmal in die Lage Ihrer Mitarbeiter:

Wie motiviert es Sie dann, wenn Ihre ganze Persönlichkeit, Ihr Wissen und Können, Ihr Engagement und Ihre Kreativität auf eine „monetäre Bewertung“, auf einen Geldwert zurechtgestutzt wird? – Denn nichts anderes bedeuten die Versuche, das „Humankapital“ Ihres Unternehmens auf einen Geldbetrag zu reduzieren. „Humankapital“ soll damit vergleichbar, austauschbar gemacht werden. Eine „Schiffsladung Humankapital“ – die moderne Form eines Sklavenschiffs?

„Saarbrücker Formel“ zur „monetären Bewertung der Gesamtbelegschaft“

Ihre Mitarbeiter als "Saarbrücker Formel"

Sie würden nie so über Ihre Mitarbeiter denken? Seitdem „Basel II“ bei der Kreditvergabe von Banken eine differenzierte Bewertung von Finanzierungsrisiken fordert, werden Banken und ihnen zuarbeitende „Experten“ immer öfter eine solche „Human Capital-Bewertung“ heranziehen, um Ihr Unternehmen zu „bewerten“. Eine „Saarbrücker Formel“ dafür gibt es auch schon. Da kümmert es auch Autoren und Agitatoren der Formel nicht, dass der Begriff „Humankapital“ zum „Unwort des Jahres 2004“ gekürt wurde.

Folge: Entweder Sie überlassen es anderen, Ihr Unternehmen und seine Mitarbeiter als austauschbare „Rädchen“ zu behandeln – dann sind Sie auch als Kunde oder Lieferant austauschbar! Oder Sie profilieren mit Ihren Mitarbeitern Ihr Unternehmen so, dass kein Kunde oder Lieferant auf die Idee kommt, Sie austauschen zu wollen.

Wollen Sie das?

„Betrachte einmal die Dinge von einer anderen Seite, als du sie bisher sahst; denn das heißt neues Leben beginnen.“

(Mark Aurel)

Und die Alternativen für Ihr Unternehmen? – „Pyramide“ oder „Organismus

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Dagmar Meinz
Als Beraterin und Trainerin helfe ich Selbstständigen und Unternehmern, sich leichter und schneller in den oft ungeliebten betriebswirtschaftlichen Aufgaben zurecht zu finden und sich mit Ihrem Unternehmen wirkungsvoller zu präsentieren, um letztendlich dank mehr Umsatz und Gewinn Beruf und Familie besser vereinbaren zu können.
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